Connection timed out Münster-Sanierung kostet sehr viel Geld : Dekanat Mergentheim

Münster-Sanierung kostet sehr viel Geld

Katholische Kirchengemeinde Bad Mergentheim: Bis zu 2,7 Millionen Euro eingeplant / Außensanierung ab April, innen geht’s erst 2020 los / Auf Spenden angewiesen

Die lange vorbereiteten Pläne sollen nun in die Tat umgesetzt werden. Das Bild zeigt Dekan Ulrich Skobowsky, Kirchenverwaltungs-leiter Peter Striffler und Architekt Hanns Berger mit Vertretern des Bauausschusses der Kirchengemeinde. (Foto: Sascha Bickel)

Das Bad Mergentheimer Münster im Zentrum der Kurstadt: Ab April wird es eingerüstet und zunächst außen aufwendig saniert. (Foto: Architekturbüro Vix)

Die katholische Kirchengemeinde „St. Johannes Baptist” steht vor einem finanziellen Kraftakt. Das Münster soll ab April 2017 saniert werden - erst außen und ab 2020 innen.

Mit dem Abstellen kleinerer Probleme fing 2010 alles an. Stand zunächst nur die Heizungskellerdecke im Fokus, so stellte man zusammen mit dem Gebietsarchitekten der Diözese Rottenburg-Stuttgart schnell fest, dass noch an vielen anderen Stellen dringender Handlungsbedarf herrscht. Heute ist klar: Die Münster-Sanierung ist ein Großprojekt geworden - und das soll nun endlich angegangen werden, nachdem das Projekt „Marienkirche” inzwischen abgehakt ist.

„Die geplanten Maßnahmen stellen kein Wunschkonzert dar”, macht Dekan Ulrich Skobowsky deutlich, sondern sie dienen in aller erster Linie der Erhaltung des Gotteshauses. Verbesserungen für die Gläubigen, wie barrierefreie Laufwege, eine Optimierung der Beschallung und eine Unterbank-Heizung sollen aber auch umgesetzt werden.

Zum Münster erhoben
Nach dem Abschluss der letzten großen Renovierung wurde die Stadtpfarrkirche St. Johannes Baptist 1983 durch Bischof Georg Moser zum Münster erhoben. Das sei ein Ehrentitel und dieser gründe auf der "hohen geschichtlichen Bedeutung", betont Dekan Skobowsky und drückt seine Hoffnung aus, dass auch die Diözese ein starkes Interesse zeigt, dass das Münster ein Innenleben erhält, das dem Titel würdig ist.

Die Gesamtkosten beziffert der Leiter des katholischen Verwaltungszentrums, Peter Striffler, auf 2,5 bis 2,7 Millionen Euro. Sorgen bereiten ihm allerdings die stetig steigenden Baukosten. Der erste Schritt sei nun die Außensanierung für rund eine Million Euro - ab April nächsten Jahres. Dafür gebe es auch mehr Fördergelder, so Striffler. Dennoch müsse die Gemeinde selbst noch 152 000 Euro aufbringen. 100 000 Euro wolle man jedoch durch Spenden und Eigenleistungen abdecken, weil man gerade an vielen Stellen finanziell stark gefordert sei.

Ungleich schwieriger wird die Situation in den Folgejahren. 2018 und 2019 sollen die Kindergärten St. Pius und Maria Hilf auf den neuesten Stand gebracht werden, weshalb die weiteren Arbeiten am Münster pausieren müssen. „Das ist uns eigentlich nicht recht, aber wir haben das nicht in der Hand”, erklärt dazu der Zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderates (KGR) Rudolf Kromer. „Wir sind hochgradig abhängig von Zuschüssen der Diözese”, ergänzt der Dekan und leider werde nur noch ein Großprojekt pro Jahr aus Rottenburg-Stuttgart unterstützt.

Viele Spendengelder nötig
So könne die Innenrenovierung des Münsters erst 2020/2021 vollzogen werden, teilen die Verantwortlichen unserer Zeitung im Gespräch mit. Die errechneten Kosten lägen bei bis zu 1,7 Millionen Euro. Und der nötige Eigen-/Spendenanteil? Summiert sich auf 340 000 Euro.

„Das ist viel Geld, das wir aber dennoch hoffen, einsammeln zu können”, blickt Peter Striffler optimistisch nach vorne. Und wenn das nicht klappt? Dann müsse man Vorhaben verschieben oder strecken, räumt der Verwaltungsleiter ein.

Man mache jetzt einen Schritt nach dem anderen, fährt Kromer fort und unterstreicht, dass alle Nutzer und Ausschüsse informiert seien und es auch eine Gemeindeversammlung gegeben habe. Der Zweite KGR-Vorsitzende erinnert zudem daran, dass im zweiten Bauabschnitt des Münsters auch endlich die Anschaffung der neuen Orgel geplant sei. Extra-Kosten von etwa 600 000 Euro schlagen hier zu Buche.

Die ursprüngliche Hoffnung, dass diese vielleicht schon in zwei Jahren im barocken Gehäuse aus dem Jahr 1772 erklingen könne, hätten sich zerschlagen. Über viele Jahre hinweg seien bislang alleine hierfür knapp 400 000 Euro eingesammelt worden. Doch auch das reiche noch nicht aus, weil es für die Orgel gar keine Zuschüsse gebe.

Hanns Berger vom Architekturbüro Vix aus Niederstetten geht schließlich auf die Details der unmittelbar bevorstehenden Münster-Außensanierung ein, die für Gottesdienstbesucher noch keine größeren Einschränkungen bedeutet. Er zählt dabei Sicherungsmaßnahmen an der Dachkonstruktion ebenso auf, wie die Arbeiten an den Fassaden. Naturstein werde gereinigt und konserviert, die meisten Putzflächen erhielten einen neuen Anstrich und die zerstörte Davidsfigur kehre ans Südportal zurück. An den Verglasungen gelte es Schäden zu beheben und Wartungsmaßnahmen durchzuführen, zudem werde der Blitzschutz erneuert.

Und auch am über 50 Meter hohen Glockenturm soll gearbeitet werden. Hier sitze die Stadt aufgrund alter Verpflichtungen mit im Boot, wirft Peter Striffler ein. Ein Zuschussantrag werde gestellt.

Mit Blick auf die Innenrenovierung führen Berger und Dekan Skobowsky aus, dass hier die Verrußung und der Schimmelbefall beseitigt, die Heizung erneuert und der Taufstein an einen "besseren Platz" verlagert werden soll. Eine Unterbank-Heizung ist vorgesehen, dazu eine bessere Beschallung und Beleuchtung. Eine optische Aufwertung sollen die Kreuzigungsgruppe, ebenso wie viele Kleinode erfahren, die momentan gar nicht richtig sichtbar sind, und auch die Anna-Kapelle als „Ort der Stille”. Neue Abstellmöglichkeiten, mehr Sitzkomfort im Rückenbereich, Abrutschsperren für Gesangbücher und der Wegfall der Stufe vor dem Altar sind weitere Maßnahmen. Zudem soll die zweite Empore, auf der die Orgel steht, abgerissen und die Orgel neu auf der ersten Empore mit platziert werden.

Sascha Bickel, Fränkische Nachrichten, 24.12.2016, www.fnweb.de