Connection timed out Das Gefühl, etwas Großartiges erlebt zu haben : Dekanat Mergentheim

Das Gefühl, etwas Großartiges erlebt zu haben

Konzert in der Marienkirche - Dekanatschor Chorisma und Vocalensemble Ludwigsburg mit geistlicher Musik auf höchstem Niveau

Konzert der Extraklasse: Die Münstergemeinde St. Johannes bot ein Benefizkonzert mit dem Dekanatschor Chorisma und dem Vocalensemble Ludwigsburg. (Foto: ahbg)

Ein Chorkonzert höchster Qualität erlebten die vielen Zuhörer vor kurzem in der bis auf den letzten Platz gefüllten Marienkirche. Die Münstergemeinde St. Johannes hatte zum Benefizkonzert mit dem Dekanatschor Chorisma und Vocalensemble Ludwigsburg eingeladen.
Chorisma, der Chor der Dekanate Hohenlohe und Mergentheim wurde vor über 20 Jahren vom damaligen Dekanatskirchenmusiker Matthias Ankenbrand in Künzelsau gegründet. Nachdem dieser das Dekanat 2012 abgegeben hatte, fiel die Leitung von Chorisma in die Hände seines Nachfolgers Michael Müller.
Seit über 30 Jahren gibt es das Vocalensemble Ludwigsburg, entstanden aus dem Kammerchor des Schiller-Gymnasiums. Die 20 Sängerinnen treffen sich mehrmals im Jahr, um ein Programm mit Motetten, meist ohne Instrumente auszuführen. Schon seit 1985 leitet Michael Müller dieses Ensemble, seit 2013 musizieren Chorisma und Vocalensemble Ludwigsburg zusammen.
Motetten für vier- bis achtstimmigen Chor a cappella, aus dem späten 19., dem 20. und 21. Jahrhundert standen auf dem Programm. Neben sehr berühmten Komponisten wie Johannes Brahms und Anton Bruckner, waren auch Max Reger, Maurice Duruflé und Vytautas Miskinis. Schon die ersten Klänge der Motette „Schaffe in mir Gott” von Johannes Brahms ließen aufhorchen. Klangvoll, präzise in Einsätzen und Intonation schufen die Sängerinnen und Sänger eine intensive, beeindruckende Atmosphäre, in welcher jedes Wort, jede Nuance an Klang und Ausdruck ihren Platz fand. Der Wechsel von eher homophonen Klängen hin zu fugato-Einsätzen der verschiedenen Stimmen, das gegenüberstellen von Klängen der Männerstimmen zu den Frauenstimmen – hohe, um nicht zu sagen höchste Lagen der Singstimmen – alles wirkte problemlos, selbstverständlich. Die folgenden drei Motetten von Anton Bruckner – Locus iste, Vexilla regis und Os justi – setzten weitere Glanzpunkte in den Darbietungen des Ensembles. Von leisesten Pianissimo – bis hin zu den kräftigsten Forte-Klängen kamen die inhaltlichen Vorstellungen der Werke zur Geltung. Auch in den Generalpausen zeigten sich die Zuhörer gebannt, in atemloser Stille.
Der litauische Komponist Vytautas Miskinis war ebenfalls mit drei Motetten vertreten. Klanglich auf tonalen Grundlagen stehend, versteht er es blendend, die Textaussagen in einer ganz eigenen Klangsprache auszudeuten. Ruhig fließend, sinnlich, im „Ave Maria”, rhythmisch pointiert im „Cantate Domino” und sehr expressiv im neuesten Werk des Abends „The same stream of life” aus dem Jahre 2016. Für den Chor war dieses Werk auf einem Text des bengalesischen Dichters Rabindranath Tagore mit Sicherheit äußerst anspruchsvoll, die Klangflächen verlangten von den Sängerinnen und Sängern großes Können und Disziplin.
Nach diesem Höhepunkt fand der Abend einen ruhigen Abschluss in den Motetten „Ubi caritas” und „Notre Pére” von Maurice Duruflé und als Schlusspunkt im „Nachtlied” von Max Reger.
Kirchenmusikdirektor Michael Müller zeigte in Orgelwerken von Johannes Brahms zu Beginn (Praeludium und Fuge a-Moll) und zwischen den Motetten zwei Choralvorspiele op.122 (Herzlich tut mich verlangen und Schmücke Dich, o liebe Seele) den Klangreichtum der historischen Späth-Orgel aus dem Jahre 1903 – gekonnt und stilsicher. Nach einer Stunde verließen die Zuhörer die Marienkirche mit dem Gefühl, etwas wirklich Großartiges erlebt zu haben.
Geistliche Musik auf höchstem Niveau, nicht als Selbstzweck, sondern zum Lob Gottes dargeboten.
Die Werke dieser großen Komponisten fordern es so von den Interpreten. „Wer singt, betet doppelt” – dieses Wort des Heiligen Augustinus wurde am vergangenen Sonntag Wirklichkeit.

ahbg, Fränkische Nachrichten, 29.10.2018, www.fnweb.de