Maria, leuchtendes Urbild der Kirche

Heimattage: Domkapitular Dr. Uwe Scharfenecker sprach über „Maria im Glauben heute” anlässlich 500 Jahre Stuppacher Madonna

Domkapitular Dr. Uwe Scharfenecker sprach im Deutschordensschloss über „Maria im Glauben heute”. (Foto: Joachim W. Ilg)

Über den Wandel des Marienbildes und über Maria als Vorbild sprach Domkapitular Dr. Uwe Scharfenecker anlässlich des Jubiläums „500 Jahre Stuppacher Madonna”.

Wer glaubt, es gibt nur ein Marienbild, der täuscht sich. Wer beispielsweise durch Bad Mergentheim läuft, wird auf verschiedene Mariendarstellungen stoßen. Mal gibt es Maria als menschlich-liebevolle Mutter, mal als entrückte Königin. Die Stuppacher Madonna erscheint als prunkvoll gekleidete, fast überirdisch strahlende Lichtgestalt der Reinheit.

Wer also war Maria? Man könnte auch fragen: Wie soll Maria denn sein? Anregungen zu solchen Gedanken gab es am Freitagabend beim Vortrag von Domkapitular Dr. Uwe Scharfenecker vom Bischöflichen Ordinariat Rottenburg. Er sprach im Rahmen der Heimattage-Veranstaltungsreihe der Stadt und der Katholischen Kirchengemeinde im Zusammenhang mit dem Jubiläum „500 Jahre Stuppacher Madonna”. Dabei konnte man den Eindruck gewinnen, dass es eine Art Strukturwandel des Marienbildes gibt: Maria ist kein unveränderlicher Fixstern am Himmel, sondern ein Bild, das sich über die Jahrhunderte hinweg wandelt, nicht willkürlich, aber auch nicht frei von akademisch-theologischen Reflexionen und emotional-volkstümlichen Sehnsüchten.

„Es geht auch ohne sie”
Es ist noch gar nicht so lange her, da gab es ein regelrechtes „marianisches Jahrhundert”, stellte Uwe Scharfenecker zu Beginn seines Vortrags „Maria im Glauben heute” im Götterzimmer des Deutschordensmuseums fest. In dieser Zeit zwischen 1850 und 1950 sei Maria wie nie zuvor im Mittelpunkt von Frömmigkeit und Theologie gestanden.

Die Eckpunkte dieses „marianischen Überschwangs” bildeten die beiden Dogmen der Jahre 1854 und 1950: „Maria ohne Erbsünde empfangen” und „mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen”. Sie ergänzten die Dogmen der Alten Kirche, nach denen „Maria Mutter Gottes ist” und „als Mutter immerwährend Jungfrau”, erläuterte Scharfenecker.

Damit aber nicht genug. Im Vorfeld des Zweiten Vatikanums in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts rechneten viele Katholiken mit einem weiteren Dogma: „Maria als Mittlerin aller Gnaden”, also als „Miterlöserin”. Aber auf dem Konzil kam es anders. Der für Maria geforderte Titel wurde abgelehnt. Übrig blieb „Maria als Fürsprecherin”. Die „marianische Begeisterung” erlosch. Das „nachkonziliare Schweigen” über Maria begann, und ein Theologe stellte fest: „Es geht also auch ohne sie” (Karl Barth).

Liebe und Hoffnung
Soweit der historische Rückblick von Scharfenecker, der sich dann den marianischen Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils zuwandte, die Teil der Kirchenlehre „Lumen gentium” (Christus als Licht der Völker) sind. Sie seien es Wert, bedacht und aufgenommen zu werden, „denn sie können uns helfen, unsere Verehrung für Maria und unser christliches Leben in Einklang zu bringen”, so der Domkapitular. Er verwies darauf, dass mit dem Konzil wieder das Marienbild der frühen Kirche ins Blickfeld gerückt wurde, wobei Maria als Mutter und Jungfrau das Urbild der Kirche sei. Die Kirche werde Mutter, wenn sie die Sakramente spendet, das Heilsgeschehen in der Predigt deutet und sich in Liebe der Welt zuwendet. Sie bleibe Jungfrau, wenn sie den rechten Glauben bewahrt und Christus treu bleibt.

Maria habe Glaube, Liebe und Hoffnung in allen Wechselfällen des Lebens bis hin zum Sterben ihres Sohnes am Kreuz bewahrt und sei ein Vorbild, das hilft, ein christliches Leben zu führen. Mit den Worten „Wir sind von Gott in der Menschwerdung seines Sohnes erlöste und für die Ewigkeit geschaffene Wesen, die ihre Vollendung im Himmel erhoffen dürfen. Dafür steht das Leben Mariens”, schloss Domkapitular Scharfenecker seinen aufschlussreichen Vortrag.

„Toller Impuls”

Bleibt abschließend noch zu erwähnen, dass der Referent des Abends bei seiner Fahrt nach Bad Mergentheim auf der Autobahn in einen Stau geraten war. Die Zeit bis zu seiner Ankunft überbrückte spontan Schwester Maria-Regina Zohner mit einigen Gedanken zu den vier Urtypen der Gottesmutter. „Ein toller Impuls”, wie Bürgermeisterstellvertreterin Manuela Zahn anerkennend feststellte.

Joachim W. Ilg,  Fränkische Nachrichten,  31.10.2016, www.fnweb.de