29.01.16

Für eine neue Qualität der Gottesdienste

Renovierung der katholischen Kirche in Markelsheim: Gemeinde noch auf viele Spenden angewiesen / Bauarbeiten kommen voran

Blick ins Hauptschiff der Markelsheimer Kilianskirche (Foto: Thomas Weller)

Wer heute einen Blick in die Markelsheimer Kilianskirche wirft, wird kaum glauben können, dass die Innenrenovierung in vier Monaten abgeschlossen sein soll.

Markelsheim. Während der Termin für die Altarweihe mit Weihbischof Dr. Johannes Kreidler am 28. Mai bereits festgeschrieben ist, muss ein Großteil des Finanzierungsparts der katholischen Kirchengemeinde noch aufgebracht werden.

Die Außenrenovierung der 1958 erbauten Kilianskirche fand ab August 2014 statt. Danach waren zunächst drei weitere Bauabschnitte vorgesehen. Weil die Diözese Rottenburg ihren Anteil für die komplette Sanierung jedoch sofort zur Verfügung stellte, wurden die restlichen Sanierungsschritte im letzten Jahr ohne Wartezeit angegangen.

1,5 Millionen Euro sind für die Großmaßnahme veranschlagt. Zehn Prozent davon muss die Kirchengemeinde selbst aufbringen. Von März 2015 bis jetzt, so die zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderates Karin Imhof, sind 30 000 Euro Spenden gesammelt worden. Zwar im Vergleich mit ähnlichen Projekten eine schon recht ansehnliche Summe, aber unterm Strich eben gerade erst ein Fünftel der benötigten Mittel.

Mit verschiedenen Aktionen wurden finanzielle Unterstützer gesucht. So etwa beim Abverkauf alten Kirchenmobiliars, bei der letztjährigen Frühjahrsweinprobe, bei Baustellenführungen, Kaffeetafel und Glühweinverkauf oder einem von Franz Imhof privat organisierten Flohmarkt während der letztjährigen Markelsheimer Genießernacht. Zudem haben Gemeindemitglieder bislang 360 Stunden Eigenleistung erbracht und auch Material, wie etwa von Thomas Lehr für die Baustellenzufahrt, wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
Paten gewonnen

Viel Echo fand der besondere Aufruf durch einen bebilderten Flyer, mit dem Paten für die Restaurierung von Figuren und Einrichtungsgegenständen gewonnen werden konnten. Doch auch Chorgestühl, Kirchenbänke oder Altarbild suchen noch Paten. Mit weiteren Aktionen, so Karin Imhof, will die Gemeinde in den nächsten Monaten Spenden einwerben. Darüber hinaus hoffe man auf weitere finanzielle Unterstützung aus der Kirchengemeinde, dem Ort und möglicherweise auch darüber hinaus.
Bestand für 50 Jahre sichern

Beim Jour fixe, wie er auch diesen Mittwoch wieder stattfand, werden nicht zuletzt von Architekt, Bauleitung, Handwerkern und Gemeindevertretern alle Möglichkeiten erörtert, im Kostenrahmen für die Renovierung zu bleiben. Doch liegt es in der Natur der Sache, dass immer wieder nicht vorhersehbare Maßnahmen nötig sind.

Schließlich soll die Kirchenerneuerung den Bestand zumindest für die nächsten 50 Jahre sichern. „Letztlich”, so Karin Imhof zur Finanzierung, „liegt dabei vieles nicht in unserer Hand”.

Während mittlerweile die Elektroarbeiten weitgehend abgeschlossen sind, sollen bis Ende Februar Decken und Wände saniert sein. Ist das Innengerüst abgebaut, kann der Boden teilerneuert, können die Kirchenbänke neu aufgebaut und mit einer Heizung ausgestattet werden.

Der Kirchenraum wurde unter Achtung des vorhandenen Baustils vom Niederstettener Architekturbüro Vix neu gestaltet.

Verschiedene bewegliche Glasabtrennungen sollen das Gotteshaus in eine Werktag- bzw. Andachtskapelle, Hauptschiff sowie Begegnungs- und Meditationsraum gliedern. Ein Foyer im abgetrennten Eingangsbereich wird künftig nach den Gottesdiensten - die derzeit noch im alten Pfarrsaal unter der Kirche abgehalten werden - zur Begegnung auch bei schlechtem Wetter einladen. Sanitäre Anlagen, Stuhllager und Abstellraum sind dem Foyer angegliedert.

Der Aufgang zur Empore wird ins Innere des Kirchenschiffs verlegt, statt den bisherigen Beichtstühlen entsteht eine Beichtzimmer, das über den sakralen Bereich erschlossen wird.

Die alte Kanzel wird wieder aktiviert und ein neuer Altar - weit in den Kirchenraum vorgezogen - mit mehr Nähe zur Gemeinde soll künftig für eine neue Qualität der Gottesdienste sorgen.

Der Taufstein, der sich bisher im hinteren Teil der Markelsheimer Kirche befand, erhält mit seinem neuen Platz auf der ersten Ebene im Altarraum seine ursprüngliche Bestimmung zurück.

Kirchengemeinde muss hohe Summen beisteuern
Trotz der Zuweisung der Diözese Rottenburg muss die Kirchengemeinde für die Renovierungsarbeiten 150 000 Euro durch Spenden und Eigenleistungen erwirtschaften. Die Spendensäule weist einen aktuellen Stand von 30 000 Euro aus - die Gemeinde ist also weiterhin auf viele Spenden angewiesen.
Wer für die Renovierung von Figuren oder Einrichtungsgegenständen Pate stehen will, kann sich an die zweite Kirchengemeinderatsvorsitzende Karin Imhof wenden.
Spendenkonten der katholischen Kirchengemeinde St, Kilian gibt es bei der Sparkasse (DE75 6735 2565 0000 013201) und bei der Volksbank (DE37 6739 0000 0084 068608).
Hinzu kommen weitere 89 000 Euro für die noch bevorstehende Orgelsanierung. Diese Summe muss die Kirchengemeinde alleine stemmen.
Die Altarweihe mit Weihbischof Kreidler in der renovierten Kilianskirche findet am Samstag, 28. Mai, um 17 Uhr statt.

Thomas Weller, Fränkische Nachrichten, 29.01.2016, www.fnweb.de