27.01.16

Für „klare Vorgaben und Strukturen”

Würzburgs Diözesanjugendpfarrer Stefan Michelberger: Der gebürtige Weikersheimer wird neuer Leiter des Bischöflichen Priesterseminars

Stefan Michelberger blickt vor seinen neuen Herausforderungen nochmals auf die spannende Zeit als Diözesanjugendpfarrer zurück. „Ich geh' dahin, wo der liebe Gott mich haben will”, sagt er. (Foto:pow)

Stefan Michelberger rüstet sich für neue Herausforderungen. Deswegen blickt Würzburgs Diözesanjugendpfarrer jetzt auch zurück.

Würzburg. Seine Mittagspause verbringt Stefan Michelberger gerne außer Haus. Noch kann er das, aber bald gibt es eine Veränderung in seinem Leben. Bischof Dr. Friedhelm Hofmann hat den bisherigen Diözesanjugendpfarrer zum neuen Regens des Bischöflichen Priesterseminars in Würzburg ernannt. Mit der neuen Stelle kommen auch neue Aufgaben auf ihn zu. Michelberger weiß, worauf er sich am meisten freut - aber auch, was er künftig vermissen wird.

Der 40-Jährige isst am liebsten in der Studentenmensa. In der „Burse” hat Michelberger Gesellschaft. Hier entwickeln sich interessante Gespräche mit Studenten, hier entstehen immer wieder wertvolle Begegnungen mit jungen Menschen. „Mich reizen diese ,Andersorte', wie ich sie gerne nenne”, sagt Michelberger. "Ich interessiere mich für andere Menschen, vor allem für diejenigen, denen ich jenseits unseres kirchlichen Milieus begegnen kann.”

Und so erlebt Michelberger immer wieder besondere Momente, am Bahnhof, im Zug, bei verschiedensten Gemeindebesuchen oder auch mal in einer Disko: Ohne missionarische Absichten geht der Diözesanjugendpfarrer auf andere zu, ist neugierig und offen - gemäß seinem Motto der vergangenen beiden Jahre „Raus & ran”.

1975 geboren und aufgewachsen in Laudenbach, einem Stadtteil von Weikersheim (Main-Tauber-Kreis), ahnt und spürt Michelberger schon als kleiner Junge, was er später mal machen will: Die Priester, denen er in seiner Heimatgemeinde - und auch in der dortigen Wallfahrtskirche - begegnet, faszinieren ihn.

Spätestens als Ministrant wird ihm immer klarer, er möchte Priester werden. „Es gibt wohl kaum einen Beruf, der vielfältiger, abwechslungsreicher und bunter ist und bei dem ich ganz viele Talente entfalten und kombinieren kann”, findet Michelberger damals wie heute.

So wechselt er nach dem Realschulabschluss in Bad Mergentheim an die Spätberufenenschule Sankt Josef in Fockenfeld. Michelberger will dort nicht nur sein Abitur machen, sondern Latein und Griechisch für sein späteres Studium lernen. An der Universität Würzburg und an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom studiert er dann katholische Theologie. 2005 weiht ihn Bischof Dr. Friedhelm Hofmann zum Priester.

Michelberger ist zunächst Praktikant und Kaplan in Aschaffenburg, später in Hammelburg. Zwei Jahre darauf wechselt er nach Miltenberg. In dieser Zeit wird sein bisheriger „Chef" Ulrich Boom neuer Weihbischof und Michelberger für ein halbes Jahr Pfarradministrator der vakanten Gemeinde Sankt Jakobus. „Eine spannende und bewegende Zeit”, erinnert er sich.

Im selben Jahr noch führt sein Weg aus dem dortigen Pfarrhaus ins Jugendhaus Sankt Kilian, ebenfalls in Miltenberg, als Rektor und als Regionaljugendseelsorger für die Dekanate Miltenberg und Obernburg. 2013 wechselt Michelberger nach Würzburg und wird Diözesanjugendpfarrer und Rektor des Kilianeums-Haus der Jugend.

Kurz darauf ernennt Bischof Dr. Friedhelm Hofmann ihn zum Domvikar.

Blickt Stefan Michelberger auf die vergangenen zwei Jahrzehnte zurück, dann „kam das alles anders als geplant”, gesteht er. Seinem Berufungsverständnis entsprechend ist er im Übrigen offen für Veränderungen, aber auch für Neues. „Ich geh' dahin, wo der liebe Gott mich haben will.”

Zwei Jahre ist Michelberger jetzt Diözesanjugendpfarrer - eine Tätigkeit, die ihn stets herausgefordert, aber auch bereichert hat. „Die Offenheit, die ehrliche Art und die Leichtigkeit, mit denen mir die Jugendlichen begegnet sind, das hat mich immer tief beeindruckt und stark motiviert”, sagt Michelberger. Hierarchien zwischen ihm und den Jugendlichen wollte er immer möglichst gering halten - mit dem Ziel, wertvolle Begegnungen auf Augenhöhe und gemeinsame Erfahrungen zu machen, von denen man noch lange zehren kann.

Vermissen werde er auch seine Kollegen und Mitarbeiter bei der Kirchlichen Jugendarbeit (kja) und auch die Jugendkirche Würzburg, sagt Michelberger. Da stecke so viel Kompetenz, Potenzial und Energie drin. „Ich wäre gerne noch länger hier geblieben und hätte noch so manche Ideen gehabt”, fasst Michelberger etwas wehmütig zusammen. Er sei aber bereit und gehe jetzt mit großem Respekt vor der neuen Aufgabe als Regens in das Bischöfliche Priesterseminar Würzburg.

Nicht nur die wirtschaftlichen, personellen und organisatorischen Angelegenheiten obliegen dann seiner Zuständigkeit. Michelberger wird in Verbindung mit seinem Kollegium die angehenden Priester begleiten, fördern und auf ihrem Weg unterstützen. Er wird aber auch beurteilen müssen, ob jemand zur Priesterweihe empfohlen wird oder nicht. Das würde sicher nicht einfach und oftmals ein Ringen werden, vermutet er. Er wolle die Seminaristen ermutigen, sich von Gott, aber auch mal von ihm herausfordern zu lassen. „Klare Vorgaben und Strukturen sind wichtig. Gott aber begegnet mir auf Schritt und Tritt, mitten im Leben, und spricht zu mir durch andere.” Lachend fügt er hinzu: „Und vielleicht auch durch einen Regens.”

Wie lange er im Priesterseminar der Domstadt bleiben wird, das weiß er noch nicht. „Regens, das macht man keine zehn Jahre”, stellt er fest. „Touristenseelsorger auf Mallorca, das wär auch mal was”, sagt Michelberger. „Das wäre dann ,Raus & ran' nochmal ganz anders.”

pow, Fränkische Nachrichten, 27.01.2016, www.fnweb.de