23.10.15

Bergkirche Laudenbach: Pontifikalamt mit Weihbischof Renz schließt das Jubiläumsjahr ab / Lichterprozession

Würdenträger große Sorgen vorgetragen

Weihbischof Renz (rechts) aus Rottenburg zelebrierte das Pontifikalhochamt zum Abschluss der Wallfahrt. Das Bild zeigt ihn mit Pfarrer Burkhard Keck.

Es war ein ganz besonderes Wallfahrtsjahr, das am Sonntag mit großer Lichterprozession und Pontifikalhochamt mit dem Rottenburger Weihbischof Thomas Maria Renz seinen Abschluss fand. Weit über 500 Gottesdienstbesucher fanden sich am Abend in der Bergkirche ein, um die 300 von ihnen hatten zuvor an der Lichterprozession über die 252 Stufen hinauf zur Bergkirche teilgenommen.

Im 600 Jahre nach der Grundsteinlegung gefeierten Jubiläumsjahr besuchten allein rund 14 000 angemeldete Pilger die Wallfahrtsstätte über Laudenbach, um in vielen Gottesdiensten, Andachten und bei Fußwallfahrten Maria ihre Anliegen ans Herz zu legen. Längst nicht jede Pilgergruppe meldet sich an, Einzelpilger schon gar nicht.

Der Pilgerstrom zum nördlichsten Wallfahrtsort der Diözese stellt hohe Anforderungen an die kleine Kirchengemeinde und die für sie verantwortlichen Seelsorger. Entsprechend appellierte der zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Franz Schweizer, bereits bei seiner Begrüßung des Weihbischofs in der Bergkirche dringend, nicht zuzulassen, dass hier Pfarrer abgezogen werden.

Es gelte, die sehr kostbare Erbschaft der Wallfahrt, die eine gewaltige geistliche Aufgabe darstelle, auch im siebten Jahrhundert lebendig zu erhalten, denn: „Der Pilger braucht Wallfahrtsstätten, an denen er ohne Zugangsschleuse in den Kirchenraum gelangen kann, um seine Bitten und Sorgen dem Herrgott zu überbringen.” Personell wie materiell benötige man dazu, immerhin als Diasporagebiet, zudem auch Verbindungsglied zu den Nachbarbistümern Freiburg und Würzburg, die Unterstützung der Diözese.

Viele Gläubige dürften ihren vor die Schmerzensmutter gebrachten Anliegen ein weiteres angefügt haben: Dass Schweizers Appell an den fürs Gebiet zuständigen Weihbischof auch wirklich ankam und dass die Sorge um die Seelsorgeeinheit Gehör findet.

In seiner Predigt befasste sich Weihbischof Renz nach kurzer dankbarer Rückschau aufs Jubiläumsjahr auf das Zweite. Vatikanische Konzil, das nach fünf Jahrzehnten und gerade im jüngst für die Diözese eröffneten „Jahr des Glaubens” erneute Betrachtung verdient.

Auch vor dem Hintergrund der aktuellen Weltbischofssynode zur Neuevangelisierung gab der Weihbischof drei Impulse: Es gelte, der Welt den barmherzigen Gott zu bezeugen - eine über lange Zeit fast in Vergessenheit geratene theologische Kategorie. Diesen barmherzigen und mitfühlenden Gott flehen Wallfahrer in der Bergkirche seit nunmehr sechs Jahrhunderten an, so Renz weiter. Dabei gelte es, die Bitte, so der zweite Impuls, in der Haltung „Dein Wille geschehe” vorzubringen und, drittens, den Auftrag zum Dienst am Menschen, der bereits im Markus-Evangelium nachdrücklich vorgetragen wurde, ernst zu nehmen und zu leben - geschwisterlich, von Haus zu Haus, von Mensch zu Mensch.

Im Jubiläumsjahr, so Pfarrer Burkhard Keck im Nachgespräch, sei zu spüren gewesen, dass die sich die ganze Gemeinde der Bergkirche und der Wallfahrt annahm. Sichtbar war das auch am Abschlussabend: Etliche Bürger schmückten ihre Häuser mit Kerzen, ehe sie sich aufmachten, um gemeinsam die Wallfahrtssteige hinaufzusteigen. Dem Ort, so Keck, habe die Gemeinsamkeit im mit offiziellen Terminen reich gespickten Jubiläumsjahr, die auch nach außen strahlte, gut getan.

Impulse setzten neben der ökumenischen Vesper und dem Besuch des päpstlichen Nuntius auch der Festvortrag von Professor Wolfgang Weiß und Konzerte, unter denen das Bachkonzert mit der in Israel lebenden Violinendozentin Vera Vaidmann besonders herausragte. Gewachsen sei im Jubiläumsjahr auch die Vielschichtigkeit der Pilgergruppen, die sich auch an speziellen Wallfahrtstage für Eheleute, Kinder und Familien, Frauen, Senioren, bei der Landvolkwallfahrt oder der Wallfahrt des Kolpingbezirks zur Bergkirche auf den Weg machten.

Dass über die Wallfahrtszeit vier Bischöfe und Weihbischöfe Pontifikalhochämter in der Laudenbacher Bergkirche zelebrierten, unterstreicht, dass nicht nur die Gläubigen den Wallfahrtsort würdigen. Am 1. Juli hatte der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann anlässlich der Grundsteinlegung die eigentliche Wallfahrt eröffnet. Am 15. August zelebrierte der Weihbischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart ein Pontifikalhochamt mit Kräutersegnung, am 8. September folgte ihm Diözesanbischof Gebhard Fürst, ehe jetzt der Rottenburger Weihbischof den Schlussakzent der Jubiläumswallfahrt setzte.
Fränkische Nachrichten, 23.10.2015, www.fnweb.de