18.03.16

Inklusion als selbstverständliche Realität

Kindergarten St. Johannes: Gemeinsame Erziehung von Kindern mit und ohne Behinderung

Beim gemeinsamen Spielen finden Kinder mit und ohne Behinderung ganz selbstverständlich zueinander. Die neue Inklusionsgruppe im Kindergarten St. Johannes in den Herrenwiesen macht es möglich. (Foto: Peter Keßler)

Zukunftsweisende Wege geht der katholische Kindergarten St. Johannes mit der Andreas-Fröhlich-Schule Krautheim. In einer Gruppe werden Kinder mit und ohne Behinderung betreut.

Bad Mergentheim. Fröhlich spielen sie miteinander, der Junge im Rollstuhl und die anderen Kinder, die auf eigenen Füßen laufen können. Dass das ein Problem sein könnte, kommt ihnen gar nicht in den Sinn. Es ist Alltag in der Bärengruppe des Kindergartens St. Johannes in den Bad Mergentheimer Herrenwiesen.

Eigentlich sind es ja zwei Gruppen: Die Kleingruppe der „Braunbären” mit Ute Hagmaier als Leiterin gab es schon und im Januar kamen eben die „Eisbären” dazu.

Das ist offiziell eine Außenstelle des Schulkindergartens der Andreas-Fröhlich-Schule in Krautheim, geleitet von Mareike Schmieg und unterstützt durch Kolleginnen. Gespielt und gelernt wird aber gemeinsam in einem gemeinsamen Raum und den jeweiligen Möglichkeiten angepasst.

Den Kindern ist die Struktur egal. Sie genießen es offenbar, jetzt in einer größeren Gruppe zu leben und noch mehr Menschen um sich zu haben, die sie anleiten und dafür sorgen, dass sie im Kindergarten Spaß und Freude haben. Dass immer wieder Sonderpädagogen und Physiotherapeuten vor Ort sind, kommt schließlich allen Kindern zugute.

Die Eltern wurden über die Kooperation mit der Krautheimer Einrichtung für Kinder mit Behinderungen gut informiert und waren alle mit der Kooperation einverstanden. Sie wissen es, so berichtete Kindergartenleiterin Sylvia Schmezer, zu schätzen, dass ihre Kinder hier „ganz zwanglos lernen, tolerant zu sein und nicht auf das Äußere zu schauen”.

Für die Kinder mit Behinderungen aus der Bad Mergentheimer Umgebung, die bisher jeden Tag nach Krautheim gefahren wurden, ist die neue Inklusionsgruppe ein großer Vorteil - weite Wege entfallen.

Das war auch die Absicht des Trägers der Andreas-Fröhlich-Schule, der „Reha-Südwest Ostwürttemberg-Hohenlohe gGmbH”. Diese private gemeinnützige Einrichtung hat sich erfolgreich darum bemüht, so nahe wie möglich zu den Kindern zu kommen. „Wir wollen uns regionalisieren, wo es möglich ist”, betonen die Geschäftsführer Thomas Buchholz und Ron Geyer im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Gruppe in Krautheim bleibe selbstverständlich erhalten.

Glücklich über Zusammenarbeit

Aufgenommen in die Kindergärten von Reha-Südwest würden „Kinder mit einem speziellen motorischen Förderbedarf oder einer Entwicklungsverzögerung”. Auch Kinder mit einer geistigen Behinderung würden „in den Gruppen entsprechend gefördert”.

Sehr glücklich über die neue Zusammenarbeit zeigen sich auch Daniela Payer, Rektorin der Andreas-Fröhlich-Schule, und Karin Hartmann-Mattes, die Leiterin des dortigen Schulkindergartens. Der Kontakt mit Verwaltungsdirektor Peter Striffler von der katholischen Kirchengemeinde St. Johannes sei unkompliziert und konstruktiv gewesen. „Es war eine Win-Win-Situation” für beide Partner, ergänzt Peter Striffler.

Im Kindergarten seien nur kleinere Umbauten nötig gewesen und für die Kinder bedeute die Inklusionsgruppe eine deutliche Bereicherung. Das bestätigt auch Anette Roppert-Leimeister, die Kindergartenbeauftragte Pastoral in der Bad Mergentheimer Kirchengemeinde.

Schließlich arbeiten auch die Erzieherinnen der kombinierten Gruppe ganz harmonisch zusammen. Sylvia Schmezer, die das Engagement von Ute Hagmaier schon lange zu schätzen weiß, lobt auch die „fröhliche und aufgeschlossene Art” von Mareike Schmieg, die „Brücken baut”. Gemeinsam wolle man auch die Sozialkompetenz aller Kinder stärken, Freundschaften untereinander möglich machen und „erleben, wie sich Aufgaben und Schwierigkeiten in der Gemeinschaft lösen lassen”.

Im alltäglichen Miteinander werde „der Inklusionsgedanke zu lebendiger selbstverständlicher Normalität”.

Peter Keßler, Fränkische Nachrichten, 18.03.2016, www.fnweb.de