11.12.15

Die Seele erstrahlt in Schönheit

Marienkirche: Nach Abschluss der Renovierung ist das Gotteshaus wieder geöffnet / Einweihung am 1. Mai mit Weihbischof Renz

Auch von außen wurde das Gotteshaus komplett renoviert (Foto: Joachim W. Ilg)

Die Marienkirche hat wieder ihre Tore geöffnet. Sanierung und Restaurierung sind abgeschlossen. Gottesdienste finden vorerst noch keine statt. Die Einweihungsfeier ist im Mai nächsten Jahres.

Bad Mergentheim. Der 8. Dezember dieses Jahres ist ein Tag der Freude nicht nur für die katholische Kirchengemeinde Bad Mergentheim, denn am Hochfest Mariä Erwählung öffnete die Marienkirche nach zweieinhalb Jahren Sanierung und Restaurierung wieder ihre Pforten.

Über die Stadtgrenzen hinaus ist die Kirche bekannt für ihre kunsthistorischen Schätze wie zum Beispiel den Maria-Tod-Altar und besonders die Wandmalereien aus dem frühen 14. Jahrhundert. Für die Gläubigen aber ist sie vor allem ein beseelter Ort der Andacht und des Glaubens. Dekan und Münsterpfarrer Ulrich Skobowsky hat es einmal so gesagt: Das Münster sei das Herz, die Marienkirche aber die Seele der katholischen Gemeinde. Und diese Seele litt große Not, denn das Gebäude war innen und außen vom schleichenden Verfall bedroht. Jetzt aber erstrahlt die Kirche in neuer Schönheit, davon konnten sich Gäste am Dienstagabend bei einem Pre-Opening, einer Voreröffnung, ein Bild machen.

Einweihung und Kosten:
Die Einweihung der Marienkirche erfolgt mit einem Festgottesdienst.

Sie findet im Rahmen der Heimattage Baden-Württemberg mit Weihbischof Thomas Maria Renz am Sonntag, 1. Mai, um 14 Uhr statt.

Die Sanierungs- und Renovierungskosten werden sich voraussichtlich im geplanten Rahmen von 2,1 Millionen Euro halten lassen, so Peter Striffler, Leiter des Katholischen Verwaltungszentrums. jwi

Bei einem kurzen Stehempfang vor dem Hauptportal der Marienkirche sagte Pfarrer Skobowsky, alle Beteiligten könnten stolz darauf sein, dass man das Gemeinschaftswerk mit der Stadt so hinbekommen habe. Er freute sich, dass dieses "wunderbare Gotteshaus" nun wieder an die Gemeinde zurückgegeben werden kann. Bürgermeisterstellvertreterin Manuela Zahn machte deutlich, dass die Marienkirche eng mit den Stadtbewohnern verwurzelt sei. Die Kirche sei das liebste und stimmungsvollste Gotteshaus in Bad Mergentheim. Danach wurde die Kirchentür geöffnet.

Und dann konnte das Gotteshaus wieder in Besitz genommen werden als „Raum der Gottesbegegnung in Gottesdienst und Gebet, Architektur und Kunst”, so der Dekan. Allerdings finden Gottesdienste erst wieder ab Mai statt. Anschließend gab es interessante Erläuterungen zu den Renovierungsarbeiten bei einer Führung durch die Kirche mit Hanns Berger vom Architekturbüro Vix (Niederstetten). Während die Außenrenovierung im Wesentlichen im letzten Jahr abgeschlossen worden war, wurden vor allem in diesem Jahr die Restaurierungen im Inneren des Gebäudes vorgenommen.

Sage und schreibe 14 verschiedene Teams waren am Werk, um Bilder, Wandmalereien, Figuren, Fresken und die Holzeinrichtung zu reinigen, zu konservieren und zu restaurieren. Im Wesentlichen gab es dabei drei Schauplätze: Die Marienkirche selbst, die kleine Marienkapelle daneben und der Kreuzgang des ehemaligen Dominikanerklosters. Kapelle und Kreuzgang befinden sich im Besitz der Stadt, die sich an den Kosten beteiligt. Daneben gab es noch einen vierten Schauplatz, die so genannte „Werkstatt”. Dabei handelt es sich um einen abgetrennten, im Besitz der Stadt befindlichen Bereich im Ostflügel des ehemaligen Kreuzgangs, wo auch Wandmalereien restauriert wurden.

Wenn man die Kirche betritt, fällt auf, dass die Sitzbänke fehlen. Sie werden noch lackiert und im Frühjahr aufgestellt. Noch liegen Grabplatten und Epitaphe auf dem Boden des Kirchenschiffs. Sie waren im Kreuzgang eingelagert und ursprünglich am Münster angebracht. Sie sollen im Kreuzgang wieder aufgestellt werden, der, anders, als das bislang der Fall war, für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Über diesen können dann Rollstuhlfahrer barrierefrei zu den Gottesdiensten gelangen.

Links und rechts des Altars fallen zwei überlebensgroße Figuren auf, die sich vor der Renovierung versteckt hinter dem Altar befanden. Sie waren nach Esslingen transportiert worden, wo sie in den Werkstätten des Landesamtes für Denkmalpflege konserviert und restauriert wurden. Erst vor wenigen Tagen wurden die zentnerschwere Hl. Katharina und der Hl. Dominikus mit einem Kran an ihren neuen Platz gehievt.

Joachim W. Ilg, Fränkische Nachrichten, Freitag, 11.12.201, www.fnweb.de