11.12.15

Auch Münster St. Johannes öffnet Heilige Pforte

Außerordentliches Heiliges Jahr der Barmherzigkeit: Zu Beginn des Sonntagsgottesdienstes am 13. Dezember wird symbolisch die Seitentür geöffnet

Die Pforte der Barmherzigkeit am Münster St. Johannes bleibt bis zum Christkönigsfest 2016 (20. November) tagsüber geöffnet.

Bad Mergentheim. Neben der Bergkirche in Laudenbach wird es auch in Bad Mergentheim während des außerordentlichen Heiligen Jahres eine Pforte der Barmherzigkeit geben.

Am 8. Dezember läutete Papst Franziskus in Rom mit dem Öffnen der Heiligen Pforten an den Papstbasiliken offiziell das außerordentliche Heilige Jahr der Barmherzigkeit ein. Das Besondere daran: Am kommenden dritten Adventssonntag sollen nach Anregung des Papstes in allen Diözesen der Welt an bedeutenden Kirchen und Wallfahrtsorten Pforten der Barmherzigkeit geöffnet werden.

Zu diesen bedeutenden Kirchen zählt, nach dem Willen des Rottenburger Bischofs Dr. Gebhard Fürst, auch das Münster St. Johannes Baptist in der Kurstadt.

Zu Beginn des Sonntagsgottesdienstes am 13. Dezember (10.30 Uhr) wird symbolisch die wunderschöne Seitentür an der Südseite des Münsters geöffnet, die dann für ein knappes Jahr zur Heiligen Pforte wird. Ein Banner sowie in der Kirche ausliegende Flyer werden auf den Sinn und den entsprechenden Ritus der Barmherzigkeit hinweisen, ihn beschreiben und deuten. Mit dem Durchschreiten der Pforte ist auch die Möglichkeit eines Ablasses verbunden. Dies bedarf, so Dekan Ulrich Skobowsky, gerade in Deutschland, dem Land der Reformation und der gelebten Ökumene, „einer ehrlichen Reflexion und einer verantworteten Neubewertung für die Menschen unserer Zeit”. Denn auch vielen katholischen Christen sei der Ablassgedanke fremd, ja suspekt geworden.

Die Pforte der Barmherzigkeit erinnert an ein Jesuswort aus dem Johannes-Evangelium (10,9): „Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden.” Eine Parallele dazu erschloss sich den Rompilgern der Münstergemeinde bei einer Führung im Forum Romanum Anfang November: So durchschritten im Alten Rom die Soldaten nach der Rückkehr von Kriegen und Eroberungszügen einen Triumphbogen. Dabei ging es neben der Siegesfeier immer auch um den Ritus der Reinigung.

Die Männer sollten mit dem Durchzug durch den Bogen die Schrecken des Krieges, auch ihre persönlichen Vergehen, ihre seelischen Wunden und Grenzerfahrungen hinter sich lassen, damit sie als neue Menschen zu ihren Familien zurückkehren konnten.

Die Pforte der Barmherzigkeit soll kein Rückfall in magische Vorstellungen sein, betont Dekan Skobowsky. Auch darf das Öffnen der Pforte nicht als Automatismus verstanden werden, an den Gott sich unausweichlich zu halten hat.

Ein starkes Zeichen sei es dennoch: „Schon jede Umarmung, jeder Kuss macht uns bewusst: wir Menschen leben von solchen Zeichen, anhand derer wir uns der gegenseitigen Liebe und Versöhnung vergewissern.”

Entsprechend möchte nun laut Dekan das bewusste Durchschreiten der Heiligen Pforte eine körperlich-sinnlich wahrnehmbare Ergänzung zur Beichte sein, dem eigentlichen Sakrament der Versöhnung. „Die Pforte bietet eine Hilfestellung, ein sichtbares, äußeres Zeichen der innersten Sehnsucht und Bereitschaft nach Wiedergutmachung, selbst dort, wo nach menschlichem Ermessen nichts mehr geht. Denn: 'Für Gott ist nichts unmöglich!' (Markus-Evangelium 10,27).”

Fränkische Nachrichten, 11.12.2015, www.fnweb.de