03.05.16

„Ein Ort des gelebten Glaubens”

Marienkirche Bad Mergentheim: Mit einem Festgottesdienst, zelebriert von Weihbischof Renz, wurde das Gotteshaus seiner ursprünglichen Bestimmung übergeben

Bischof Thomas Maria Renz vollzieht die Altarweihe in der Marienkirche. (Foto: Katja Hesslinger)

Bad Mergentheim. Nach zweieinhalb Jahren andauernden Restaurierungsarbeiten wurde die Marienkirche, die „Seele der Gemeinde” laut Dekan Ulrich Skobowsky, im Rahmen einer feierlichen Messe durch den Rottenburger Weihbischof Thomas Maria Renz wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung zurückgegeben - der Feier der Liturgie.

Zahlreiche Gläubige versammelten sich vor dem Münster St. Johannes, um zusammen mit dem Weihbischof und Dekan Ulrich Skobowsky in Begleitung der Historischen Deutschorden-Compagnie und dem Historischen Schützen-Corps in einer Prozession zur Marienkirche zu pilgern. Hier wurden sie von dort bereits wartenden Gläubigen empfangen, die ebenfalls gekommen waren, um der feierlichen Türöffnung und der Eucharistiefeier beizuwohnen. Bevor Dekan Skobowsky die Pforten der Marienkirche öffnete, wurde der „Fußfall” gemäß der Walldürner Wallfahrtstradition zelebriert.


1169 erstmals erwähnt

Die Marienkirche fand erstmals 1169 als Wallfahrtskapelle urkundlich Erwähnung. Von 1322 bis 1388 wurde die Kirche neu gebaut. Wie Dekan Skobowsky sagte, sei die Marienkirche die erste evangelische Kirche in Mergentheim gewesen. Nach einer wechselvollen Geschichte fanden während des 20. Jahrhunderts diverse Restaurierungen des Raumes und der Ausstattung statt. Die jetzigen Maßnahmen waren weit umfangreicher und hatten laut Aussagen des Architekten Robert Vix vom Architekturbüro Vix aus Niederstetten den Zweck, „die Kirche trocken und dicht zu machen”.

So wurden das Dachgebälk und die Dachdeckung erneuert sowie Fenster ausgetauscht oder repariert. Zudem wurden die Risse im Mauerwerk der Außenfassade beseitigt. Die Instandsetzungen betrafen weiter die Bereiche der Lüftung, der Klimastabilisierung sowie der Beleuchtung. Darüber hinaus fanden Restaurationen der Altarfiguren, der Wand- und Deckenmalereien sowie der Gemälde statt.

Die Gesamtkosten betrugen rund 2,1 Millionen Euro. Robert Vix und sein Kollege Hanns Berger waren zusammen mit Diözesanbaumeister Thomas Schwieren die hauptverantwortlichen Architekten dieses Projektes.

Zur Finanzierung musste die katholische Kirchengemeinde St. Johannes Baptist etwa 340 000 Euro aufwenden. Bezuschusst wurde die Sanierung durch die Stadt Bad Mergentheim, die Diözese Rottenburg-Stuttgart, das Land Baden-Württemberg und den Bund, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und die Rudolf-August-Oetker-Stiftung. Darüber hinaus förderten etliche Privatpersonen aus Bad Mergentheim und verschiedene Organisationen die Restaurierung der Marienkirche finanziell.

Grüße des Bischofs
Weihbischof Renz überbrachte anlässlich der Feierlichkeiten die Grüße Dank von Bischof Dr. Gebhard Fürst und richtete seine Dankesworte an alle, die die Renovation unterstützt und mitgetragen hätten. „Die Kirchengemeinde hat der Verpflichtung gegenüber der Vergangenheit Rechnung getragen”, so Weihbischof Renz in Bezug auf die vollbrachte Renovierung.

Die Marienkirche sei ein Ort, an dem man die Glaubensvergangenheit bestaunen könne. Die Gemeinde sei aber darüber hinaus mit der Sanierung des Gotteshauses dem Bedürfnis der Menschen, künftig einen ebensolchen Ort wie die Marienkirche zu brauchen, nachgekommen.
„Ein Ort, an dem die Menschen ihren Glauben feiern und stärken können. Ein Ort des lebendigen Glaubens”, bekräftigte der Weihbischof. Man solle verändert aus der Kirche in den Alltag zurückkehren, bestärkt im Glauben an den lebendigen Gott, führte er weiter aus und fügte hinzu: „Wir brauchen offene Kirchen, damit der Friede Gottes nach außen dringen kann”.

Der Ablauf des Festgottesdienstes sah zunächst die Weihe des Ambos vor. Danach wurde die Altarweihe zelebriert. In früherer Zeit seien die Altäre noch ganz aus Stein gewesen, erklärte Weihbischof Renz. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die damit verbundene symbolische Deutung von „Jesus als Fels in der Brandung”.

In Anlehnung daran wurde die steinerne Reliquienplatte aus dem ehemaligen Altar der Marienkirche in den neuen eingelassen. Gemäß der zeremoniellen Abfolge, „um den Altar zu einem Gegenstand des lebendigen Glaubens zu erheben”, besprengte Weihbischof Renz den Altar mit geweihtem Wasser, salbte ihn mit Chrisam, entzündete Weihrauch auf der Mensa und sprach das Weihegebet. Danach wurde der Altar für die Eucharistiefeier mit einem weißen Tuch und Kerzen geschmückt, mit der die Weihe schließlich vollzogen war.

Ein Höhepunkt der Heimattage

Nach den Feierlichkeiten richteten Rudolf Kromer, stellvertretender Vorsitzender des Kirchengemeinderats, und der Dekan ihren Dank an alle, die auf irgendeine Art und Weise einen Beitrag zur Restaurierung der Marienkirche geleistet hatten.

In diesem Sinne betonte der Bad Mergentheimer Oberbürgermeister Udo Glatthaar seine Dankbarkeit darüber, dass der Glaubensort wieder der Öffentlichkeit zurückgegeben worden sei und bezeichnete die Weihe zweifellos als einen Höhepunkt der momentan stattfindenden Heimattage.

Nach der Feier gab es vor der Marienkirche einen Stehempfang. Für Interessierte bot sich zudem die Möglichkeit, an einer Führung durch die Kirche teilzunehmen.

Katja Hesslinger, Fränkische Nachrichten, 03.05.2016, fnweb.de